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Wenn sich Menschen gegenseitig helfen, erwächst daraus meist etwas Gutes. Das merken wir nicht nur hier bei WirHelfen. Ein Paradebeispiel dafür ist auch das Solidaritätsnetzwerk Deutschland. Der Zusammenschluss aus Arbeiter*innen, Menschen ohne Arbeit und Rentnern und Rentnerinnen, Migrant*innen und Jugendlichen hat sich die gemeinsame Verteidigung und Durchsetzung ihrer Interessen und Rechte auf die Fahne geschrieben – und ist damit erfolgreich.

Der Grund: Wenn Menschen nicht zu den „Gewinnern“ in der Gesellschaft zählen, einen Migrationshintergrund oder kein finanzielles Polster haben, sind sie auch in einem scheinbar reichen Land wie der Bundesrepublik oft benachteiligt. Nach dem sich die westliche Sozialstruktur in den letzten Jahrzehnten sowieso schon gewandelt hat, hat die Corona-Pandemie die Lebenssituation vieler Menschen – neben dem Mithalten mit dem Wandel – noch zusätzlich erschwert.

Wer seine Ziele dennoch erreichen und sich nicht unterkriegen lassen will, sollte sich deshalb mit anderen zusammentun und gut organisieren. So sehen es zumindest die engagierten Mitglieder vom Solidaritätsnetzwerk Deutschland. „Als Solidaritätsnetzwerk möchten wir eine demokratische und klare Struktur schaffen, mit der wir immer mehr Menschen in den Kampf um unsere Rechte einbeziehen können“, heißt es auf der Webseite des Netzwerks. Dafür haben sie gemeinsam ein Statut festgelegt. Zusammen organisieren sie aber auch direkte Aktionen, um die gegenseitige Hilfe in die Tat umzusetzen.

Gegenseitige solidarische Hilfe und direkte Aktionen

Solidaritätsnetzwerk Deutschland organisiert eine Demo zum Thema „Black lives matter“ - Demonstrierenden halten Plakate und Fahnen hoch

Foto: Solidaritätsnetzwerk Deutschland

Darüber, wie die konkrete Hilfe bei Problemen im Alltag aussieht, wenn sich das Solidaritätsnetzwerk einschaltet, habe ich mit Tolga Atay aus Frankfurt gesprochen. Er sitzt im Vorstand vom Solidaritätsnetzwerk Deutschland und erklärt, dass die übergeordnete Frage, die sich die Menschen im Netzwerk stellen, stets lautet: Wie bekommen wir, was uns zusteht?

Damit gemeint ist eine Forderung gegenüber dem Vermieter durchzusetzen, dem Arbeitgeber oder bei Gericht. Umgesetzt wird das durch verschiedene kreative Aktionen, über Standards wie ein Statement verkünden und Flyer verteilen hinaus. Es werden sich Fragen gestellt wie „Wo ist unser ‚Gegenüber‘ anzutreffen“, „An welchen Stellen ist unser Gegenüber angreifbar?“, oder  „Wie könnten wir Druck ausüben, damit sich etwas an der Situation verändert?“. Dann wird überlegt, wo man anpacken kann.

„Es geht darum, sich gegenseitig zu helfen. Wir wollen dabei kein Stellvertretertum, uns aber vor allem bei Ängsten unterstützen und den Dingen gemeinsam ins Gesicht schauen“, erklärt Tolga. Klar, in der Gruppe ist man stärker. Nicht umsonst heißt es ja „vier Augen sehen mehr als zwei“. Und wo viele Hände mit zugreifen, sind große Hürden nun einmal schneller zu bewältigen. „Selbst wenn Menschen vor Gericht keinen Erfolg hatten, weil ihre Klage abgewiesen wurde, ist es uns in einigen Fällen gelungen, dass sie mit der Unterstützung vom Solidaritätsnetzwerk doch noch Erfolg hatten.“

Tolga Atay erklärt sein Engagement beim Solidaritätsnetzwerk Deutschland im Gespräch mit WirHelfen

Solidaritätsnetzwerk Deutschland: Mitglieder protestieren – rechts im Bild: Tolga Attay. Foto: Solidaritätsnetzwerk Deutschland

Tolga, wir haben jetzt schon einiges über das Solidaritätsnetzwerk erfahren. Aber was hat dich persönlich bewegt, dich der Initiative anzuschließen?

Meine Motivation im Solidaritätsnetzwerks ist es, an bestehenden Missständen in der Gesellschaft zu rütteln und Dinge zu verändern. Niemand sollte sich von seiner Chef*in, seiner Vermieter*in, oder sonst wem klein machen lassen.

Mit „wir“ meine ich alle Menschen, die davon abhängig sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um Brot nach Hause zu bringen. Um ihre Miete zu bezahlen. Aber auch Menschen, die gestern gearbeitet haben und heute arbeitslos sind, oder Jugendliche, die zwar noch nicht arbeiten, aber arbeiten gehen werden, zähle ich dazu. Wir haben alle das gleiche „Schicksal“. Deswegen verbindet uns so viel.

Wie geht ihr eure Aktionen für eine bessere Gesellschaft an und wie organisiert ihr euch – in den lokalen Standorten und überregional?

Das Solidaritätsnetzwerk hat 2021 seinen Vorstand gewählt. Dieser Vorstand vertritt und agiert im Interesse von aktuell sechs Ortsgruppen. Der Vorstand wurde auf dem ersten Kongress gewählt und wurde unter anderem dazu legitimiert, Ausrichtungen für alle Ortsgruppen zu treffen und langfristige Zielsetzungen zu entwickeln. Während die Ortsgruppen ihre lokale Politik selbst organisieren, organisiert der Vorstand bundesweite Kampagnen, und andere allgemeine Dinge.

Die Ortsgruppen haben alle ihre verschiedenen Aktivitäten. Meistens gibt es verschiedene Angebote der Ortsgruppen, die Menschen wahrnehmen können. Offene Treffen, Stammtische, Nachbarschaftsgrillen, Feste und natürlich auf Kundgebungen und Demonstrationen. Das sind alles Angebote, bei denen Menschen sich kennenlernen können – und umgekehrt.

Und wie können Menschen mitmachen, wenn sie Hilfe benötigen, aber, wenn sie sich bei euch engagieren wollen?

Wir sind über unter anderem über unsere Website, Instagram, Twitter und Facebook erreichbar. Daneben haben alle Ortsgruppen ihre eigenen Seiten, die von ihnen verwaltet werden.

Gibt es das Solidaritätsnetzwerk in deiner Stadt, dann schreib der Ortsgruppe! Interesse, ein Solidaritätsnetzwerk in deiner Stadt aufzubauen? Dann kontaktiere uns ebenfalls. Dazu haben wir sogar einen eigenen Leitfaden entwickelt. Alle allgemeinen Informationen bekommst du unter soli-net.de.

Redaktion/Editorial

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Hinter der WirHelfen-Magazin-Redaktion verbirgt sich ein kleines Team aus versierten Autor*innen, Fremdsprachen- und Audio-/Video-Profis und genauso auch hochmotivierten Neulingen im Medienbereich: international, divers, interessiert, engagiert, begeistert und – so hoffen wir – auch begeisternd.

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